Väter-Depression: Wenn die Krise später kommt

Als Hebamme sehe ich, dass Väter-Krisen oft erst Monate nach der Geburt sichtbar werden. Ich erkläre dir, woran du sie erkennst.

„Ich kann einfach nicht mehr.“ Das hat mir vor einiger Zeit ein Vater gesagt – vier Monate nach der Geburt seines Kindes, zu einem Zeitpunkt, an dem im Umfeld alle dachten, bei ihm laufe alles gut. Als Hebamme erlebe ich solche Momente öfter, als viele erwarten. Und genau deshalb möchte ich mit dir darüber sprechen.

Was ich in meiner Arbeit immer wieder beobachte: Eine Krise bei Vätern zeigt sich oft ganz anders im zeitlichen Verlauf als bei Müttern. Während sich eine postpartale Depression bei Müttern meist direkt nach der Geburt zeigt, taucht sie bei Vätern häufig erst drei bis sechs Monate später auf. Genau das macht es so schwer, sie rechtzeitig zu erkennen – weder für dich selbst noch für dein Umfeld.

Hinzu kommt: Die Anzeichen sehen bei Vätern oft anders aus, als man erwarten würde. Nicht immer ist es Traurigkeit. Ich erlebe häufiger Reizbarkeit, Rückzug, eine ständige Erschöpfung oder eine Flucht in Arbeit und Sport. Das wird selten als das erkannt, was es ist – auch von den Vätern selbst nicht. Viele denken, sie seien einfach nur müde oder gestresst.

Ich glaube, ein wichtiger Grund, warum das so leicht übersehen wird, liegt darin, dass am Anfang die ganze Aufmerksamkeit bei Mutter und Baby liegt – aus gutem Grund. Dass ein Vater dabei still mitleidet, fällt in meiner Erfahrung oft erst auf, wenn schon viel Zeit vergangen ist und sich einiges aufgestaut hat.

Deshalb sage ich Vätern in meiner Beratung immer: Wenn du dich seit Wochen nur noch gereizt, leer oder ausgeschlossen fühlst, sprich darüber. Mit deiner Partnerin, mit einem Freund, mit deinem Hausarzt. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein wichtiger erster Schritt. Als Hebamme kann ich dir sagen: Je früher du darüber sprichst, desto leichter lässt sich etwas verändern.

Auch Väter dürfen sagen: Mir geht es gerade nicht gut. Das macht dich nicht zu einem schlechteren Vater – im Gegenteil.

Mehr von mir gibt’s auf Instagram unter @hebamme_fuer_vaeter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen