Als Hebamme erlebe ich, dass Väter über psychische Belastung nach der Geburt kaum sprechen. Ich erkläre dir die Anzeichen – und warum Hinsehen wichtig ist.
Wenn von „Krise nach der Geburt“ gesprochen wird, denken die meisten zuerst an Mütter. Das ist verständlich – aber nicht vollständig. Als Hebamme erlebe ich immer wieder, dass auch Väter nach der Geburt in eine schwierige psychische Phase geraten. Nur spricht darüber kaum jemand.
Es betrifft mehr Väter, als du denkst
Studien zeigen: Etwa jeder zehnte Vater erlebt nach der Geburt eine depressive Phase – oft zwischen dem dritten und sechsten Monat. Erschöpfung, eine innere Leere und erhöhte Reizbarkeit sind typische Anzeichen. Wenn du dich darin wiederfindest, bist du nicht „überempfindlich“. Du bist ehrlich mit dir.
Warum es bei Vätern oft übersehen wird
Anders als bei Müttern verläuft diese Phase bei Vätern selten abrupt. Es kommt schleichend. Du schläfst schlecht, fühlst dich „neben der Spur“, ziehst dich vielleicht etwas zurück – und schiebst das alles auf Stress, Schlafmangel oder die neue Situation. Genau dieses Schleichen macht es schwer, das Problem als das zu erkennen, was es ist.
Welche Faktoren das Risiko erhöhen
Aus meiner Erfahrung steigt das Risiko deutlich, wenn mehrere Belastungen zusammenkommen: Spannungen in der Partnerschaft, finanzieller Druck oder das Gefühl, der eigenen Vorstellung von einem „guten Vater“ nicht zu entsprechen. Wenn dir das bekannt vorkommt, ist das ein guter Anlass, genauer hinzuschauen.
Sprich darüber – mit wem auch immer
Das Wichtigste, was ich dir mitgeben kann: Sprich darüber. Mit deiner Partnerin, mit einem Freund, mit eurer Hebamme oder deinem Hausarzt. Es muss nicht das „perfekte“ Gespräch sein. Je früher du es ansprichst, desto leichter lässt sich gegensteuern – bevor sich die Situation verfestigt.
Für dein Kind sorgen heißt auch, für dich zu sorgen
Manche Väter empfinden es als egoistisch, sich mit der eigenen psychischen Belastung zu beschäftigen, während doch das Baby im Mittelpunkt stehen soll. Ich sehe das anders: Für dein Kind zu sorgen heißt auch, für dich selbst zu sorgen. Das ist keine Nebensache – das ist Verantwortung.
Mehr von mir gibt’s auf Instagram unter @hebamme_fuer_vaeter.