Kreißsaal als Vater: Was du wirklich tun kannst

Als Hebamme erlebe ich oft, dass Väter im Kreißsaal denken, sie könnten nichts tun. Ich erkläre dir, warum das nicht stimmt.

„Ich kann sowieso nichts tun.“ Diesen Satz höre ich als Hebamme im Kreißsaal immer wieder – nicht ausgesprochen, aber ich sehe ihn den Vätern an. Sie stehen daneben, die Hände in den Taschen, und fühlen sich hilflos, während sich alles um die Wehen, die Hebamme und die Ärztin dreht. Fast jeder dritte Vater kennt dieses Gefühl. Und fast jeder von ihnen liegt damit falsch.

Ich sage meinen Vätern immer: Deine Aufgabe im Kreißsaal ist nicht, medizinische Handgriffe zu können. Dafür bin ich da, dafür ist die Ärztin da. Deine Aufgabe ist eine ganz andere – und sie ist mindestens genauso wichtig: Du bist für deine Partnerin da. Nicht für den Ablauf, nicht für die Technik. Für sie.

Was mir dabei besonders am Herzen liegt: Sprecht vorher miteinander. Wenn die Wehen richtig da sind, hat deine Partnerin keine Kraft mehr für lange Erklärungen. Klärt also schon vorher, was sie sich wünscht – bei Schmerzmitteln, bei Positionen, bei Entscheidungen. Dann kannst du im entscheidenden Moment einfach für sie sprechen, wenn sie es selbst nicht mehr kann. Das ist ein Geschenk, das du ihr machst, lange bevor die erste Wehe kommt.

Und dann sind da die kleinen Dinge, die in meinen Augen gar nicht so klein sind: Ihre Hand halten. Den Rücken massieren. Ein Glas Wasser reichen. Ich erlebe immer wieder, wie sehr genau das den Frauen hilft – nicht die große Geste, sondern das Dabeisein in den kleinen Momenten.

Ich kann dir aus Erfahrung sagen: 94 von 100 Vätern sagen hinterher, dass sie froh waren, dabei gewesen zu sein – trotz der Angst und der Hilflosigkeit, die sie in dem Moment gespürt haben. Das Gefühl während der Geburt und das Gefühl danach sind zwei völlig verschiedene Dinge.

Du musst im Kreißsaal nicht wissen, was medizinisch zu tun ist. Du musst nur da sein.

Mehr von mir gibt’s auf Instagram unter @hebamme_fuer_vaeter.

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