Als Hebamme höre ich oft von Vätern, dass sie sich nach der Geburt nutzlos fühlen. Ich erkläre dir, warum das nicht stimmt und wo dein Platz ist.
„Ich fühl mich manchmal einfach nutzlos.“ Diesen Satz höre ich in meiner Arbeit als Hebamme öfter, als du vielleicht denkst. Und ich möchte dir gleich sagen: Wenn du das auch so empfindest, bist du damit nicht allein – und du machst nichts falsch.
Vor allem in den ersten Wochen, wenn deine Partnerin stillt, kann sich das schnell so anfühlen, als würden Mutter und Baby ein geschlossenes Team bilden, in dem für dich kein Platz ist. Ich erlebe das immer wieder bei den Familien, die ich begleite. Aber das liegt nicht an dir und nicht an eurer Beziehung. Stillen braucht einfach sehr viel Körperkontakt – das ist biologisch so, nicht persönlich gemeint.
Was ich dir als Hebamme aus vielen Begleitungen sagen kann: Deine Bindung zu deinem Baby kommt – nur eben etwas später. Besonders stark entwickelt sie sich meist zwischen dem sechsten und achten Monat, wenn dein Baby anfängt zu fremdeln und ganz genau unterscheidet, wer zu seiner Familie gehört. Du verpasst gerade nichts, auch wenn sich die Nähe jetzt noch nicht so eng anfühlt wie bei deiner Partnerin.
Und dein Platz ist längst da, auch ohne dass du stillen kannst. Wickeln, Baden, Tragen, einfach da sein, wenn deine Partnerin eine Pause braucht – das sind in meinen Augen keine Nebenrollen. Das ist dein Teil der Aufgabe, und er ist genauso wertvoll wie das Stillen.
Ein Rat, den ich Vätern in dieser Situation immer wieder gebe: Sprich es aus, wenn du dich ausgeschlossen fühlst. Deine Partnerin merkt in den ersten anstrengenden Wochen oft gar nicht, wie es dir gerade geht – sie ist selbst mit sehr viel beschäftigt. Ein einfacher Satz wie „Ich weiß gerade nicht, wo mein Platz ist“ öffnet in der Beziehung mehr, als du denkst.
Du bist nicht die Ersatzbank. Du bist Bezugsperson Nummer eins – nur eben auf deine eigene Art.
Mehr von mir gibt’s auf Instagram unter @hebamme_fuer_vaeter.